Euro made in germany

Mein Nachbar jammert in einer Tour rum, dass er die Raten für sein viel zu teueres Auto, das er sich ohne Notwendigkeit, sondern lediglich "weil ich es unbedingt haben wollte" zugelegt hat, nicht zahlen kann und fragt mich, ob ich ihm Geld leihen kann.

"Klar", sag ich dann, "nimm soviel du willst, ich hab´s ja!"

Darf ich mich dann wundern, wenn ich das geliehene Geld niemals zurückbekomme? Wohl eher ernte ich seitens der Allgemeinheit Kopfschütteln ob meiner Naivität. Doch genau das passiert gerade in Euroland.

Es scheint so, als wenn alle bankrotten Staaten der Eurozone die aktuelle - von der Hochfinanz und den ihnen niemals so recht Widerstand leistenden Medien geschürte - Angst vor dem Untergang der Wohlstandsgesellschaft nutzen, um ihren Staatshaushalt zu sanieren.

Dass diese Staaten bereits bei Einführung der Gemeinschaftswährung derart hoch verschuldet waren, dass ein normal denkender Mensch ihnen niemals auch nur eine D-Mark anvertraut hätte, ohne davon auszugehen, diese nicht mehr zurückzubekommen, wird gerne vergessen.

An allen Stammtischen wurde bereits zu der Zeit, als über eine einheitliche Währung für Europa diskutiert wurde, lauthals geschimpft, dass damit ja wohl der Wohlstand in den wirtschaftlich stabileren Ländern den Bach runter geht. Diese Stammtischpolemiker wurden als Miesmacher, ewige Nörgler u. ä. diffamiert. Nun scheinen sie aber doch Recht zu behalten.

Nun erheben sich all die "Ich hab´s schon immer gewusst"-Typen und sonnen sich in ihrer politischen/wirtschaftlichen Weitsicht, doch vergessen sie dabei, dass ja nicht nur die als PIGS bezeichneten Staaten (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) über ihre Verhältnisse gelebt haben, sondern alle anderen Staaten ebenso.

Kann mir vielleicht jemand erklären, wie ein Land wie Deutschland, das jedes Jahr neue Schulden in Höhe von mehreren Millarden aufnehmen muss, andererseits Sicherheiten für andere, noch viel höher verschuldete Länder bieten kann?

Und nicht nur die Staaten als politische Souveräne haben Mißwirtschaft betrieben: Jeder einzelne Bürger hat es dem Vorbild der Politik nachgetan. 

Oswald Metzger, seines Zeichens von 1994 bis 2002 haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag und Autor des Buches "Einspruch! Wider den organisierten Staatsbankrott" hat vor vielen Jahren in einem Interview geäußert, er persönlich bevorzuge den kreditorientierten Lebensstil.

Früher hieß es noch, man müsse sparen, um sich etwas leisten zu können, heute leistet man sich etwas und muss dann sparen, um es abbezahlen zu können. Gut für die Wirtschaft, schlecht fürs Volk. Wenn sich die Lebensbedingungen ändern - durch Jobverlust, Scheidung usw. - ist plötzlich Essig mit Ratenzahlung. Es folgen immense Einschränkungen der persönlichen Lebensqualität.

Die einzigen, die sich weiterhin keine Sorgen machen müssen, sind die Banken, denn sie wissen, wenn sie laut genug den Untergang des Euros prophezeihen, wird die Politik schlechtem Geld bereitwillig Gutes hinterherwerfen.

Der Euro wackelt, aber er fällt nicht um; zumindest noch nicht. Wie lange kann das noch gut gehen? Wird demnächst auf jeder zweiten Euro-Banknote das Gütesiegel "Made in Germany" stehen? Wird der Tauschhandel wieder eingeführt? Oder ist´s eh egal, da unsereins sowieso schon finanziell komplett ausgeblutet ist? `Nem nackten Mann kann man nämlich nicht mehr in die Tasche greifen.

 

1 Kommentar 10.8.11 13:37, kommentieren

Es ist soweit...

Theo Neandonly lebt... wenn auch nur in meinem Kopf.

Er meint, er hätte was zu sagen und tut es daher auch.

Einiges von dem, was er so den lieben langen Tag lang von sich gibt, erscheint mir interessant genug, um es der Webgemeinde nicht vorenthalten zu dürfen.

Man muss es ja nicht lesen.

Wäre aber wunderherrlichst, wenn es doch ein paar wenige gäbe, die sich das Geschreibsel reinziehen... und evtl. auch kommentieren.

Ich bin gespannt...

 

1 Kommentar 10.8.11 12:18, kommentieren